Rede des Botschafters Hans Peter Annen anlässlich des Volkstrauertages am 18. November 2012 in Zagreb

Gedenkfeier anlässlich des Volkstrauertages auf dem deutschen Kriegsgräberfriedhof in Zagreb Bild vergrößern (© Botschaft)

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir haben uns heute auf dem Zagreber Friedhof Mirogoj versammelt um der Toten zweier Weltkriege und der Opfer von Gewaltherrschaft und Terror zu gedenken. Ich danke Ihnen, dass Sie der Einladung zu dieser kleinen Feier gefolgt sind. Ihre Teilnahme an dieser Feier zeugt von Verbundenheit im Gedenken an die Opfer von Krieg und Verfolgung, Terror und Unterdrückung, aber auch vom gemeinsamen Willen zur zukunftsweisenden Zusammenarbeit.

Wir gedenken heute der Opfer von Gewalt und Krieg, der Kinder, Frauen und Männer aller Völker. Wir gedenken all der Soldaten, die in den beiden Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren. Wir gedenken der Menschen, die wegen ihrer Rasse oder Religionszugehörigkeit und ihres Glaubens verfolgt wurden und werden. Wir gedenken all derer, die ihr Leben lassen mussten, weil sie sich der Gewaltherrschaft widersetzt haben.
Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa sind 67 Jahre vergangen. Die Kriegszeiten liegen fern, die Zahl derer, die diesen schrecklichen Krieg noch selbst erlebt haben, schwindet von Tag zu Tag. Wir sind bereits die Generation der Kinder und Kindeskinder der Soldaten. Wir fragen uns daher: können wir heute noch gedenken und trauern? Was bedeutet uns das Gedenken?

Das Gedenken an die Opfer der Kriege und Verfolgung ist auch heute wichtig und notwendig: es lässt uns einen Augenblick innehalten und erinnert uns an das Leid von Generationen unserer Vorfahren. Zwei Weltkriege, Terror und Verfolgung haben im vergangenen Jahrhundert in Europa 60 Millionen Opfer gefordert, unermessliches Leid über unseren Kontinent gebracht. Die Verbrechen und Schrecken dieser Zeit dürfen nicht vergessen, die Verantwortlichkeiten nicht übersehen werden.

In Zagreb haben über 3000 deutsche Soldaten als Opfer des letzten Weltkrieges ihre letzte Ruhe gefunden. Insgesamt wurden in Kroatien über 20.000 deutsche Soldaten an mehr als 900 Orten beerdigt oder vergraben und wir gehen davon aus, dass über 10.000 weitere Tote in verschiedensten Teilen des Landes auf ihre abschließende Zurruhesetzung in unseren zentralen Militärfriedhöfen Zagreb und Split warten.

Ich danke der kroatischen Regierung, den kommunalen Verantwortlichen aber auch der Bevölkerung für ihre beständige Unterstützung bei dem Bemühen, den Gefallenen der Kriege überall in Kroatien eine würdige Ruhestätte zu geben.

Und gerade hier in Kroatien, wo gerade heute und im Gedenken an die Verbrechen in Vukovar die Erinnerungen an den Krieg mit über 20000 Toten in der heutigen Generation lebendig sind, wird deutlich, dass es wichtig ist, nicht in Trauer zu verharren, sondern gemeinsam die Zukunft friedlich zu gestalten. Frieden ist ein unschätzbares Gut und nicht Selbstverständlichkeit. Und dies ist eine weitere Botschaft dieses Volkstrauertages: heute leben wir in Europa in einer kaum je gekannten Periode von Frieden und Freiheit, Toleranz und Achtung der Menschenwürde. Dies ist ein Schatz, den es zu pflegen, zu bewahren gilt, der unser wertvollstes Erbe für künftige Generationen ist.

Doch sterben aktuell in Afghanistan und an anderen Orten wieder Soldaten und Zivilisten, auch Deutsche und Kroaten, beim Kampf gegen Terror und menschenverachtenden Fundamentalismus. Wir sind uns bewusst: Frieden, Freiheit und Sicherheit, Demokratie, Toleranz und Achtung der Würde der Mitmenschen sind nicht umsonst zu haben, sie sind auch heute gefährdet. Wir müssen selbst, jeder an seinem Platz, für diese unveräußerlichen Werte eintreten und sie verteidigen.

Und so verneigen wir uns in dieser Stunde in Trauer vor den Toten, den Opfern. Wir nehmen ihr Leid als Mahnung, unsere Verantwortung für eine Zukunft in Frieden und Freiheit wahrzunehmen.

Ich danke Ihnen.

Totengedenken

Wir denken heute
an die Opfer von Gewalt und Krieg, an die Kinder, Frauen und Männer aller Völker.

Wir gedenken
der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.

Wir gedenken derer,
die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk, einer anderen Rasse oder einer anderen Religion angehörten und derer, deren Leben wegen Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde.

Wir gedenken derer,
die ihr Leben im Widerstand gegen Gewaltherrschaft gaben, die für ihre Überzeugung und ihren Glauben ihr Leben opferten.

Wir trauern
um die Opfer der Kriege und kriegerischen Auseinandersetzungen auch unserer Zeit, um die Opfer von Terrorismus, politischer Verfolgung und religiösen Fanatismus.

Wir trauern
um die Bundeswehrsoldaten und andere Einsatzkräfte, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren.

Wir trauern
mit den Müttern und Familien, die Leid tragen um die Toten.