Vortrag des Botschafters Dr. Bernd Fischer zum Thema „Gemeinsame Zukunft Deutschlands und Kroatiens in Europa“ an der Universität Zagreb

10.12.2010


- Es gilt das gesprochene Wort! -

Sehr geehrter Herr Rektor,
verehrte Prorektorinnen und Prorektoren,
verehrte Frau Mladineo,
Exzellenzen,
liebe Kolleginnen und Kollegen, Freunde und Gäste,

es ist mir eine besondere Ehre, heute an der Universität Zagreb vor einem so zahlreich erschienen Publikum über das spannende und überaus bedeutende Thema „Gemeinsame Zukunft Deutschlands und Kroatiens in Europa“ zu referieren.

Erst im Juni diesen Jahres wurde unter gemeinsamer Anstrengung seitens Deutschlands und Kroatiens, insbesondere auch der Universität Zagrebs, das deutsch-kroatische Wirtschaftsforum abgehalten. Dies brachte die Möglichkeit, sich auf gemeinsame Standpunkte zu besinnen und anstehende Projekte zu diskutieren, was aufzeigt, dass ein reger Austausch den Grundstein für fruchtbare Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung darstellt.
Gerade deshalb ist es von Bedeutung, dass auch im wissenschaftlichen Bereich solch ein Austausch stattfindet. Gelegenheit bietet hierfür das Institut der Partneruniversität. Die Universität Zagreb besaß und besitzt teilweise noch mit dreizehn Universitäten aus elf deutschen Städten eine Universitätspartnerschaft: mit Rostock, Dresden, Mainz, Hamburg, München, Freiberg, Berlin, Heidelberg, Ilmenau, Stuttgart und Regensburg. Eine profunde Grundlage des Austauschs, die es zu pflegen und zu bewahren gilt.

Vorausblickend lässt sich über das kommende Jahr 2011 bereits jetzt schon sagen, dass es ein bedeutendes Jahr für Kroatien werden wird. Es jährt sich die Wiedererlangung der Unabhängigkeit Kroatiens zum zwanzigsten Mal und der EU Beitritt als achtundzwanzigster Mitgliedsstaat rückt in greifbare Nähe.
Wie unser Außenminister Guido Westerwelle in seiner Rede Ende August dieses Jahres hier in Zagreb anmerkte: “Auf dem Weg in die EU hat Kroatien die Zielgerade erreicht“.

Was konkret die Beziehung zwischen Deutschland und Kroatien anbelangt, so verbindet beide Länder ein menschliches Beziehungsgeflecht, das auf drei Säulen beruht:

Zum einen die Kroaten in Deutschland.
Heutzutage leben und arbeiten fast 300.000 Kroaten in Deutschland und stellen damit die fünftgrößte Ausländergruppe in der Bundesrepublik Deutschland dar. Dies lässt sich vor allem darauf zurückführen, dass in der ersten Generation in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts die Kroaten als Gastarbeiter nach Deutschland kamen. Besonders 1968 konnte ein enormer Zuwanderungsstrom verzeichnet werden als zwischen den Regierungen Deutschlands und Jugoslawiens ein Abkommen über die Aufnahme von Gastarbeitern aus Jugoslawien geschlossen wurde.
Obwohl die Zahl nur geschätzt werden kann, haben mehr als eine Million Kroaten in den letzten 60 Jahren in Deutschland lange Zeiträume verbracht. Viele von ihnen haben inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit.

Des weiteren der Tourismus, der einen wichtigen Zweig der Wirtschaft Kroatiens darstellt. Dies gründet sich übrigens auf eine lange Tradition des Landes. Schon zu Zeiten der Stadtrepublik Dubrovnik im 14. Jahrhundert wurden die ersten Herbergen gebaut.
Der moderne Tourismus begann im 19. Jahrhundert mit dem Ausbau der Verkehrswege. In Opatija wurde schließlich 1840 das erste Hotel errichtet.
Kroatien hat landschaftlich und kulturell viel zu bieten. So gibt es insgesamt acht Nationalparks. Mit seiner biologischen Artenvielfalt zählt Kroatien zu den ersten fünf Ländern Europas, während einzelne kleinere Gebiete des Landes zu den artenreichsten Räumen der Welt gerechnet werden.
Kroatien ist auch reich an Kulturdenkmälern aller Epochen: Die Innenstadt mit spätantikem Diokletianspalast in Split, die Altstädte von Dubrovnik und Trogir, die Euphrasius-Basilika aus dem 6. Jh. in Poreč, die Kathedrale St. Jakob in Šibenik und das Starogradsko polje auf der Insel Hvar wurden in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.
Daher verwundert es nicht, dass jedes Jahr ca. 1,5 Millionen Deutsche ihren Urlaub in Kroatien verbringen. Vor allem zieht es die Touristen aber an die Adriaküste und zu den dort vorhandenen unzähligen Inseln. Bereits Dante und George Bernhard Shaw haben in ihren Werken die Schönheit des Küstenlandes beschrieben und dort Inspiration gefunden.

Als weitere – dritte - Säule lässt sich das wissenschaftliche und kulturelle Geflecht aus Studienaufenthalten, Städtepartnerschaften, DAAD-Unterstützungen und Alumnivereinigungen nennen. Hierzu möchte Ich auch die Leistung der deutschen Minderheit in Kroatien hervorheben, die hauptsächlich in Ostslavonien wichtige Kulturprojekte betreibt. Auch lobenswert zu erwähnen sind die kroatisch- deutschen Gesellschaften hier in Kroatien und die deutsch- kroatischen Gesellschaften in Deutschland.

Diese überaus wichtige Säule für die deutsch-kroatische Beziehung wurde vor allem durch den Staat geschaffen und geprägt. Ein gutes Beispiel hierfür stellt die Städtepartnerschaft dar. Vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges wurden ab 1947 in Deutschland erste Städtepartnerschaften gebildet, um eine umfassende Völkerverständigung direkt an der Basis zu ermöglichen und die Zusammenarbeit der Völker zu fördern.
Die erste deutsch-kroatische Städtepartnerschaft wurde 1966 zwischen Rijeka und Rostock geschlossen. 1967 folgte dann eine weitere zwischen Zagreb und Mainz.
2010 gab es allein 20 formelle und 12 informelle/ lose Städtepartnerschaften zwischen Kroatien und Deutschland. Solche Netzwerke zählen zu den stabilsten in der Freundschaft zwischen zwei Ländern.

Ein weiteres Beispiel für Austauschprogramme stellt das von der Bundesregierung ins Leben gerufene Besuchsprogramm zu diversen Themenbereichen dar, an denen zahlreiche kroatische Journalisten, Künstler und akademische Lehrkräfte teilnehmen.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst, kurz DAAD, bemüht sich stetig um den internationalen studentischen Austausch. So unterstützt er zum Beispiel zahlreiche Stipendien- und Kooperationsprogramme mit kroatischer Beteiligung. Allein im Studienjahr 2009/10 wurden 222 Kroaten und 154 Deutsche im akademischen Austausch mit Kroatien gefördert. Der Gesamtumfang der finanziellen Förderung beläuft sich auf 810.000 Euro.

Hinzu kommen zum Beispiel die Stipendiaten und Alumni der Alexander-von-Humboldt-Stiftung oder des Pädagogischen Austauschdienstes. Momentan baut die Bundesregierung eine völlig neue Plattform für die Alumni aller von Deutschland offiziell geförderten Programme. In Zahlen reden wir hier über mehrere hunderttausend Alumni aus über 90 Programmen.

Meine Damen und Herren, diese drei Säulen stellen das elementare Grundlagengerüst für die Entwicklung der deutsch-kroatischen Beziehungen dar.
Bereits seit der Staatsgründung Kroatiens sind Deutschland und Kroatien eng verbunden und beschreiten einen gemeinsamen Weg.
Dies brachte der frühere Staatspräsident Kroatiens Stjepan Mesić in seiner Rede anlässlich der Einweihung des Berlinermauerstücks vor der Deutschen Botschaft in der Vukovarska ulica am 9. November 2009 mit den Worten zum Ausdruck: „Der Fall der Mauer hatte maßgeblichen Einfluss auf die Freiheits- und Unabhängigkeitsbestrebungen in Kroatien bzw. im Osten und Südosten Europas.“

Der innerdeutsche Einigungsprozess wurde bedeutend von Hans Dietrich Genscher, dem deutschen Außenminister von 1972-1992, mitgeprägt. Auf sein Bestreben hin erkannte die Bundesrepublik Deutschland frühzeitig im Dezember 1991 die Unabhängigkeit der ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken Slowenien und Kroatien an. Er konnte  mit seiner Ausgleichspolitik zwischen Ost und West überzeugen und trug daher bedeutend zum Gelingen der deutschen Wiedervereinigung und dem Zusammenwachsen der Europäischen Gemeinschaft bei. Seine Vision von einem geeinten Europa nimmt nunmehr weiter in der Hinsicht Gestalt an, dass der EU-Beitritt Kroatiens unmittelbar bevorsteht.

Auch das Auswärtige Amt hat eine langjährige Beziehung zu Kroatien. Die deutsche Botschaft feiert am 15. Januar 2012 den 20. Jahrestag ihres Bestehens.
Ich möchte diese Gelegenheit nutzen Sie alle jetzt schon einzuladen an dieser Feier teilzunehmen. Sie sind alle herzlich willkommen diesen besonderen Tag für Deutschland und Kroatien mit uns gemeinsam zu begehen.

Ein weiteres 20-jähriges Jubiläum findet im Mai 2012 statt. Nach gemeinsamen Bemühungen auch Deutschlands mit Kroatien wurde Kroatien an diesem Datum 1992 in die UN aufgenommen. Damit war Kroatien endgültig und unumkehrbar in die internationale Staatengemeinschaft aufgenommen worden.
Viel später, 2009, wirkte Deutschland aktiv mit, dass Deutschland der NATO beitrat.

In diesem Zusammenhang möchte Ich noch auf einen weiteren wichtigen Aspekt der deutsch- kroatischen Beziehungen zu sprechen kommen: Die sicherheitsbezogene Zusammenarbeit.
Bereits nach dem Krieg wurde Kroatien mit Humanitärer Hilfe in Millionenhöhe von deutscher Seite unterstützt. Im März 1998 wurde schrittweise eine bilaterale Zusammenarbeit Deutschlands und Kroatiens durch den damaligen Verteidigungsminister Volker Rühe aufgenommen. Diese besteht bis heute fort, was sich in über 225 gemeinsam durchgeführten Projekten zeigt. Ihr Schwerpunkt liegt in Fach- und Expertengesprächen, der gemeinsamen Ausbildung und des Personalaustauschs.
Im Jahr 2007 wurden dann Vereinbarungen über die rüstungswirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit sowie der Ausbildungshilfe getroffen. Seit 1997 wurden bislang 164 Angehörige der kroatischen Streitkräfte in Deutschland ausgebildet. Gleichzeitig dazu durchliefen zwei deutsche Stabsoffiziere die höchste, militärische Ausbildung an der kroatischen Kriegsschule. Aktuell sind 270 kroatische Soldaten unter deutschem Kommando im ISAF RC North, Masar e sharif, eingesetzt; insgesamt sind im ISAF 320 kroatische Soldaten stationiert.

Bilateral verbindet Kroatien und Deutschland auch die gemeinsamen/ gemischten Kommissionen mit Bayern und Baden-Württemberg, in welchen beide Länder sich um eine Verbesserung der Zusammenarbeit allgemein aber auch im sicherheitspolitischen Bereich bemühen. Solche Institutionen bestehen gerade mit den beiden vorgenannten deutschen Bundesländern, weil in diesen die zahlenmäßig größte Gemeinschaft an Kroaten in Deutschland lebt.

Das Bundesministerium des Innern hat in der Vergangenheit auch im präventivpolizeilichen Bereich durch gemeinsame Seminare Know-how ausgetauscht. So wurden beispielsweise Verhandlungs- und Beratergruppen initiiert, ein Handbuch für Polizeibeamte an die Polizeiakademie übergeben, der Kontaktbereichsbeamte für eine bürgernahe Polizei vorgestellt, die Autobahnpolizei beraten und Präventionszentren eingerichtet.
Deutschland unterstützt darüber hinaus auch in der Tourismussaison mit deutschen Polizeibeamten in den Urlaubsgebieten. Dies stellt ein Zeichen bürgernaher Polizei dar.
Weiterhin ist aktuell die Donaustrategie eingerichtet, bei der Deutschland erneut eine Koordinierungsfunktion wahrnimmt, da in der Region freundschaftliche Beziehungen bestehen.

Wagen wir uns nun im Folgenden den Rest des Jahrzehnts in den Fokus zu nehmen.
Wie werden sich die deutsch-kroatischen Beziehungen bis zum Jahre 2020 entwickeln?

I. Politik

Die Region Südosteuropa wird für Deutschland und Kroatien ein besonderes Aktivitätsfeld bleiben. Aus unserer gemeinsamen Sicht ist die Entwicklung der ganzen Region Südosteuropa in den letzten 20 Jahren ein Stabilisierungserfolg – nicht nur durch die Abwesenheit von Krieg, sondern durch den erfolgreichen Beginn des Aufbaus von Demokratie, Rechtsstaat, Zivilgesellschaft und Wirtschaft. Aber dennoch: Es bleibt noch viel zu tun.

Die Region bleibt ein Spannungsbogen vom EU-Beitrittskandidaten Kroatien, über das reform- und europaorientierte, aber noch teilweise in überkommener Kosovo-Politik verhaftete Serbien, das durch Reformstillstand und aufgrund ethnischer Agenden in seiner EU-Annäherung blockierte Bosnien und Herzegowina, hin zum fragilsten Staat der Region, Kosovo, wo die Folgen des Auseinanderfallens von Ex-Jugoslawien und der vier Kriege der 90er Jahre noch am deutlichsten sichtbar sind.

Unsere gemeinsame Botschaft an Serbien, Kosovo und die Region lautet: Keine erneuten Statusverhandlungen, kein Rückfall in Teilungsdebatten, keine Gefährdung der Erfolge Europas und Deutschlands in der Region. Wir fordern deshalb alle Staaten zur Lösung offener bilateraler Konflikte in europäischem Geist auf. Die Einigung zwischen Slowenien und Kroatien im Grenzstreit war ein positives Signal für die gesamte Region. Und: Deutschland steht fest zur EU-Beitrittsperspektive für die ganze Region Südosteuropa. Die Zukunft aller Staaten der Region, einschließlich Serbiens UND Kosovos liegt in Europa.
Ich bin sicher, Kroatien wird hinsichtlich des Erfolgs der Stabilisierungspolitik zum Modellstaat für die ganze Region. Positive Entwicklungen in Kroatien, aber auch in der gesamten Region zeigen ferner hohe Effektivität der Hebelwirkung der EU-Perspektive als Reformmotor für die Region sowie die Bedeutung der europäischen Einigung als Friedensprojekt.

Wie bereits angesprochen, verfügen Deutschland und Kroatien über gute und gefestigte sicherheitspoltische und militärische Beziehungen.
In Zukunft bleibt der Schwerpunkt der Zusammenarbeit der Afghanistan-Einsatz.
Es gibt aber auch weitere überaus wichtige Tätigkeitsbereiche. Als Beispiel darf ich das von deutscher Seite unterstützte Minenräumungsprojekt Čista Mala anführen. Erst im vergangenen Monat wurde zwischen Deutschland und dem International Trust Fund for Demining and Mine Victims Assistance (ITF) ein Memorandum of Understanding unterzeichnet. Die Bundesrepublik Deutschland unterstützt das Programm mit zweihunderttausend Euro. Für die Umsetzung des Projekts wird in Zukunft das Kroatische Minenräumungszentrum HCR zuständig sein.
Bis zum heutigen Tag wurden durch deutsche Unterstützung bereits 5.500.000 qm unter Aufwendung von 8,5 Millionen Euro entmint.

Im europäischen Rahmen wurden und werden eine Vielzahl von Projekten, namentlich Twinning, TAIEX und Twinning-light, im Hinblick auf den EU-Beitritt Kroatiens realisiert, bei denen auch Deutschland als Partner aktiv ist und sich weiterhin engagieren wird. Hier sind insbesondere die Projekte zum Aufbau der Grenzpolizei sowie Projekt bei der Justiz zu nennen. Dies ist, bedenkend, dass Kroatien demnächst die EU-Außengrenze sichert, eine Herausforderung, bei der Deutschland sich nach wie vor als Partner anbietet. Die EU als Raum der Sicherheit, des Friedens und der Freiheit bedarf an seinen Außengrenzen eines besonderen Schutzes im Hinblick auf die Zufuhr illegaler Gegenstände, des Menschenhandels, der Schleusung, der OK-Bekämpfung aber auch der Aufmerksamkeit bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus.

Kroatien wird möglicherweise zukünftig der Motor für andere Länder in der Region sein und wird hierzu starke Partner an seiner Seite benötigen.

Ein gefestigtes Rechtssystem, Glaube der Bürger in eine starke Sicherheitsarchitektur national wie international gilt es zu vermitteln, wozu Deutschland jederzeit die Hand reicht.
Im internationalen Kontext lässt sich festhalten, dass Kroatien 2008 und 2009 nichtständiges Mitglied im VN-Sicherheitsrat war, Deutschland wird ab 2011 für zwei Jahre nichtständiges Mitglied sein. Da wir in nahezu allen Fragen der internationalen Sicherheit im Verbund mit unseren europäischen und transatlantischen Partnern ähnliche Ansichten im Sicherheitsrat vertreten, werden wir auch während der deutschen Präsenz im Sicherheitsrat viele Aspekte der deutsch-kroatischen Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen einbringen können.

II. Wirtschaft

Auch im wirtschaftlichen Bereich ist Deutschland schon lange, gegenwärtig und in der Zukunft noch viel mehr, ein enger wirtschaftlicher Partner Kroatiens. Nicht zuletzt auf Grund der großen geografischen Nähe bestehen traditionell enge Beziehungen zwischen unseren Ländern.
Gerade für Süddeutschland, also Bayern und Baden Württemberg, liegt Kroatien näher als mancher Teil Deutschlands. So sind es von München nach Zagreb weniger Kilometer als von München nach Berlin, wenn auch nur 50 Kilometer. Der derzeit laufende Ausbau der transeuropäischen Netze wird diese Räume noch enger verbinden, insbesondere über die Alpen hinweg.

Schon seit vielen Jahrzehnten wurde Deutschland für eine große Zahl von Kroaten zunächst zum beruflichen Lebensmittelpunkt, später auch zur Heimat. Diese Mitbürger haben sich in Deutschland durch ihren Fleiß und ihre besonders erfolgreiche Integrationsfähigkeit einen hervorragenden und tadellosen Ruf erworben, ohne dabei ihre kulturelle und sprachliche Verbundenheit mit ihrer kroatischen Heimat aufzugeben. Diese mehreren Hunderttausend deutsch-kroatischen Mitbürger sind in aller erster Linie dazu prädestiniert, die gemeinsame Zukunft von Kroatien und Deutschland in der EU zu gestalten und fort zu entwickeln.
Auch in Zukunft werden sich viele Beschäftigungsmöglichkeiten für Kroaten in Deutschland bieten, der derzeitige Fachkräftemangel, wiederum insbesondere in Süddeutschland, lässt dies erwarten.

Mit der künftigen EU–Freizügigkeit wird aus der traditionellen Bewegung aus Kroatien nach Deutschland auch eine zunehmende Bewegung in die entgegengesetzte Richtung nach Kroatien einsetzen. Neben den Mitarbeitern deutscher Unternehmen, insbesondere aus dem mittelständischen Bereich, dürften zunehmend auch deutsche Ruheständler die Vorzüge des Lebens an der wohl schönsten Gegend des Mittelmeers entdecken; eine Entwicklung, die auch in anderen Mittelmeer-Regionen zu beobachten war.

Ich möchte nun etwas konkreter auf die Wirtschaftsbeziehungen eingehen und das Potenzial für eine gemeinsame Zukunft der Unternehmen unserer Länder darstellen.
Neben den bekannten deutschen Weltunternehmen, die nahezu vollständig in Kroatien präsent sind. Ich möchte nur die Deutsche Telekom, Siemens, SAP oder Allianz als Beispiel anführen - werden sich mit dem EU- Beitritt die Chancen für KMUs gewaltig erhöhen.
Wie schon erwähnt bietet nicht zuletzt die geografische Nähe sehr gute Voraussetzungen für eine Expansion der Unternehmen in beide Richtungen.
Wie wir in diesem Jahr feststellen konnten, bereiten sich zahlreiche Unternehmen aus Deutschland auf ein verstärktes Engagement in Kroatien vor. Der große Erfolg des deutsch-kroatischen Wirtschaftsforums im Juni, der Besuch des deutschen Wirtschaftsminister Brüderle und seiner Wirtschaftsdelegation im vergangenen Monat haben dies erneut eindrucksvoll bestätigt. Ich möchte hierbei unterstreichen, dass die deutschen Unternehmen in aller Regel eine Kooperation mit kroatischen Partnern vorwiegend als Joint Venture anstreben.
Gerade bei einem Joint Venture können Unternehmen beider Länder künftig noch viel enger kooperieren und ihre Stärken komplementär einsetzen:
Kroatien hat große Stärken in Südosteuropa, sowie historisch auch auf Märkten der südlichen Hemisphäre, insbesondere historisch zu solchen aus der sogenannten Blockfreienbewegung. Als aktuelles Beispiel hierfür sei die letzte Woche erfolgte Eröffnung einer Botschaft in Zagreb durch Indonesien genannt.

Deutschland wiederum ist weltweit präsent und kann bei einem  gemeinsamen Vorgehen die notwendige Distribution auf dem Weltmarkt erleichtern.

Mit dem EU–Beitritt wird sich auch eine neue Dynamik der kroatischen Wirtschaft entwickeln. Die bald zur Verfügung stehenden Mittel aus Kohäsions- und Strukturfondsmitteln der EU, in den ersten beiden Jahren der Mitgliedschaft in Höhe von 3,4 Mrd. Euro, werden vor allem für die Infrastrukturprojekte zur Verfügung stehen.
Es liegt auf der Hand, dass beide Länder diese Finanzmittel auch zur engeren Anbindung Kroatiens an die derzeit dynamischste Wirtschaftsregion Europas verwendet sehen wollen.
Nach der fast abgeschlossenen Erschließung Kroatiens durch Autobahnen steht naturgemäß der Ausbau der Bahninfrastruktur und der Häfen im Vordergrund. Deutschland möchte und sollte auch hierbei ein wichtiger Partner Kroatiens werden.

Bildlich gesprochen werden hier die Gleise gelegt, auf denen sich Kroatien an die wirtschaftliche Lokomotive Europas ankoppeln wird.

III. Kultur

Was den Bereich Kultur, Bildung und Wissenschaft betrifft, so blicke ich sehr optimistisch in unsere gemeinsame Zukunft. Kroatien will mit dem Beitritt zur EU auch den Anschluss an den europäischen Bildungsraum schaffen. Deutschland wird Kroatien dabei partnerschaftlich zur Seite stehen und diesen Prozess nach Kräften unterstützen.

Eines unserer Kernanliegen ist die Förderung der deutschen Sprache als die meistgesprochene Muttersprache Europas. Das Jahr 2011 wird die deutsche Botschaft zum „Jahr der deutschen Sprache in Kroatien“ ausrufen. Als Schirmherr dieser Jahresinitiative wurde bereits der zuständige Bildungsminister Fuchs gewonnen. Im Rahmen der Initiative soll auf verschiedenen Ebenen für das Deutschlernen geworben werden. Hierzu gehört neben der konkreten Arbeit an und mit Schulen und Universitäten auch die Einbeziehung der Medien, um Deutsch als Sprache von Film und Fernsehen stärker zu präsentieren. Hinzu kommt der Ausbau der bestehenden Programme und Projekte, mit denen wir bereits heute an zahlreichen kroatischen Schulen sowie Hochschulen präsent sind.

Ungeachtet der regen Zusammenarbeit unserer Länder im wissenschaftlichen Austausch ist die Lage bei Bewerbungen um deutsche Stipendien und die Mobilität kroatischer Studenten und Wissenschaftler für uns aber noch nicht zufriedenstellend. Die Zahl der vergebenen hochwertigen Stipendien von DAAD und Alexander von Humboldt-Stiftung könnte angesichts der Qualität der kroatischen Forschung und Wissenschaft noch höher liegen. Bei Studierenden ist häufig neben der finanziellen Belastung die enge Bindung an die lokal ansässige Familie ein Be­weggrund gegen ein Studium im Ausland. Dies wird sich sicherlich im Rahmen des weiteren Zusammenwachsens der EU ändern. Schon jetzt nimmt Kroatien am Studierendenaustauschprogramm ERASMUS teil – ein Programm, das wie kaum ein anderes zur Mobilität europäischer Studierender und somit zur europäischen Völkerverständigung beigetragen hat. Bislang beteiligte sich Kroatien ferner am TEMPUS Projekt der EU.

Ab 2011 wird Kroatien am Life Long Learning Programme der EU für zahlreiche Bildungs- und Wissenschaftsprojekte teilnehmen und auch sich hierdurch noch viel mehr als in der Vergangenheit mit deutschen und anderen europäischen Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen vernetzen.

Für die Universität Zagreb wünsche Ich mir, dass sie all diese Chancen nutzt, um ihre Kontakte zu deutschen Universitäten und Forschungsinstitutionen weiter auszubauen. Wo immer Ich kann, werde Ich dies auch persönlich unterstützen.
Zudem wünsche Ich mir, dass in Zukunft noch mehr Stipendien des DAAD und der Humboldt-Stiftung an Wissenschaftler von der Universität Zagreb vergeben werden können.

Hiermit möchte Ich meinen Vortrag auch schließen und mich bei Ihnen allen für Ihre Aufmerksamkeit und Ihr Interesse an der Entwicklung der deutsch-kroatischen Beziehungen bedanken.