Regionale Tagung „Wie soll der Aufbau Europas in einer Zeit der Integration der südosteuropäischen Länder gelehrt werden? Standpunkte europäischer Historiker“, 24. - 25.11.2011, Universität Zagreb

„Wie soll der Aufbau Europas in einer Zeit der Integration der südosteuropäischen Länder gelehrt werden?“ – mit dieser Frage befasste sich eine wissenschaftliche Tagung, die am 24. und 25. November 2011 an der Universität Zagreb stattfand. Organisiert wurde diese Veranstaltung gemeinsam von der deutschen und der französischen Botschaft in Kroatien sowie dem Lehrstuhl für Geschichte der Philosophischen Fakultät der Universität Zagreb.

Historiker aus Deutschland, Frankreich, Kroatien, Serbien, Slowenien und Bosnien und Herzegowina diskutierten an zwei Tagen über die Einflüsse der europäischen Integration auf die Interpretation nationaler und regionaler Geschichte. Die Tagung diente ebenfalls dem Erfahrungsaustausch hinsichtlich der Frage, wie Geschichte heute an den Schulen gelehrt werden kann. Das Ziel der Tagung war es, die grundlegenden Probleme der Konzeption der deutsch-französischen Geschichtsbücher, ihr interkulturelles Potential, europäische transkulturelle Werte und deren Anwendbarkeit in der Geschichtswissenschaft der südosteuropäischen Länder zu erörtern. Die Tagung wurde von Studenten und Lehrern sowie von Vertretern der kroatischen Bildungsagentur, von NGOs und Journalisten besucht.

Eröffnet wurde die Veranstaltung vom Rektor der Universität Zagreb, Prof. Aleksa Bjeliš, dem deutschen Botschafter Dr. Bernd Fischer und dem französischen Botschafter Jerome Pasquier.

Im Rahmen von drei Rundtischgesprächen wurden verschiedene Aspekte beleuchtet:

Der Aufbau Europas und die französisch-deutsche Versöhnung: Das Unterrichtsbuch über die europäische Geschichte und dessen französische und deutsche Autoren: Der Fokus lag hierbei auf den Erfahrungen der deutschen und französischen Autoren des deutsch-französischen Geschichtsbuchs. Die mittlerweile drei Bände des binationalen Buches zur europäischen Geschichte entstanden in langjähriger Arbeit; insgesamt dauerte der Prozess mehr als 15 Jahre. Deutsche und französische Historiker und Lehrer berichteten über Konzeption und Entwicklung des deutsch-französischen Geschichtsbuches, aber auch über ihre Erfahrungen bei der Nutzung des Buches im Geschichtsunterricht. Vor allem letzterer Aspekt erweckte das Interesse des Publikums.

Standpunkte südosteuropäischer Historiker zu nationalen und regionalen Beiträgen zur europäischen Geschichte“:    
Das Interesse des überwiegend jungen Publikums am zweiten Rundtischgespräch über den Umgang mit der Geschichte in den Geschichtsbüchern der Länder des ehemaligen Jugoslawiens (Kroatien, Serbien, Slowenien, Bosnien und Herzegowina) übertraf alle Erwartungen. Die Historiker aus den Ländern der Region schilderten sehr differenziert ihre Erfahrungen mit der unterschiedlichen Interpretation von Geschichte. Von allen Referenten wurde dabei die Bedeutung von Multiperspektivität bei der Betrachtung geschichtlicher Ereignisse hervorgehoben. Wichtig sei es, sich einer gemeinsamen europäischen Verantwortung als Basis für den Umgang mit Geschichte bewusst zu werden.

„Wie ist europäische Geschichte während der Integration in die EU zu lehren?“:
Am zweiten Tag tauschten sich die Historiker aus Deutschland, Frankreich und den Ländern der Region über mögliche Lehren aus der Entwicklung des deutsch-französischen Geschichtsbuches aus, die für die Entwicklung einer gemeinsamen regionalen Geschichtsperspektive gezogen werden können. Es wurde auch darüber debattiert, ob ein ähnliches, regionales oder bilaterales, gemeinsames Geschichtsbuch notwendig und realisierbar wäre.