Rede von Botschafter Thomas E. Schultze anlässlich des Volkstrauertags am 19. November 2017 in Zagreb

(Anrede)

so wie in vielen Ländern in der ganzen Welt haben auch wir uns heute versammelt, um der Toten zweier Weltkriege, der Opfer von Gewaltherrschaft und Terror und der Gefallenen in den aktuellen Operationen und Missionen zu gedenken.

Ich danke Ihnen allen, dass Sie der Einladung zu dieser Gedenkveranstaltung hier auf diesen beeindruckenden Friedhof, dem Mirogoj, gefolgt sind. Ihre Teilnahme zeigt unsere gemeinsame Verbundenheit im Gedenken an die Opfer von Krieg und Verfolgung, Terror und Unterdrückung. Sie ist aber auch Ausdruck des Willens, sich gemeinsam für eine friedliche Zukunft einzusetzen.

Mir scheint genau das angesichts der Ereignisse seit dem letzten Volkstrauertag besonders wichtig zu sein. Uns allen haben sich die Bilder etwa aus Syrien, dem Irak, aus dem Jemen eingeprägt von Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, denen unbeschreibliches Leid widerfahren ist und noch widerfährt.

Wir haben auch nicht vergessen, wie Terroranschläge in Berlin auf dem Weihnachtsmarkt vor fast einem Jahr, in Istanbul, Paris, Stockholm, London, Manchester, St. Petersburg und anderenorts vielen Menschen das Leben gekostet, zahlreichen Familien unermessliches Leid beschert haben.

Dieser Terror ist mitnichten auf westliche Großstädte beschränkt, er ist in vielen Ländern der Welt leider beinahe tägliche Grausamkeit. Wir sollten uns dessen bewusst sein und auch an die vielen Familien dort denken, für die Krieg, Terror, Gewalt und Tod auch heute noch Teil ihres Alltags sind.

Wir können daher besonders dankbar sein, dass es uns in Europa nach den Schrecken von Kriegen, auch hier in dieser Region, gelungen ist, friedlich miteinander zu leben. Wer angesichts unserer eigenen Vergangenheit und der Gegenwart in vielen Regionen der Welt die Europäische Union vor allem als eine wirtschaftliche Zweckgemeinschaft sieht, versteht nicht, dass sie vor allem auf Werten basiert – auf dem Schutz von Menschenrechten, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit aber auch Solidarität untereinander. Sie ist das größte Friedensprojekt, das Europa je hervorgebracht hat.

Aus Feinden wurden Freunde und Partner. Europa ist für viele Menschen ein Versprechen für eine bessere Zukunft.

Die Strahlkraft Europas führt dazu, dass Menschen außerhalb unseres Kontinents viel riskieren, oft alles, um nach Europa zu kommen. Auch an die Flüchtlinge, die im Mittelmeer oder an anderer Stelle ihr Leben verloren haben, sollten wir heute denken.

Meine Damen und Herren, natürlich kann man sich fragen, warum wir jährlich, beinahe ritualisiert gedenken.

Ich glaube, dass es wichtig ist, sich an die Schrecken der Vergangenheit und ihre Opfer zu erinnern und eben nicht zu vergessen oder zu verdrängen.

An Orten wie diesem ist Geschichte greifbar und ermutigt dazu Verantwortung für eine friedlichere Zukunft zu übernehmen.

Bundespräsident Steinmeier sagte vor wenigen Tagen bei der Eröffnung eines gemeinsamen deutsch-französischen Museums zum Gedenken an die Opfer des 1. Weltkriegs: „Wir erinnern, weil jede Generation für sich aufs Neue erlernen muss, die Idee der Nation von der Ideologie des Nationalismus zu unterscheiden. Wir erinnern, weil wir nie wieder den Irrweg beschreiten wollen, auf den der Nationalismus uns führt: zur Repression nach innen und zur Aggression nach außen.“

In Zagreb haben über 3.000 deutsche Soldaten als Opfer des letzten Weltkrieges ihre letzte Ruhe gefunden. Insgesamt wurden in Kroatien über 20.000 deutsche Soldaten an mehr als 900 Orten beerdigt oder begraben. Ich danke der kroatischen Regierung, den kommunalen Verantwortlichen aber auch der Bevölkerung für ihre beständige Unterstützung bei dem Bemühen, den Gefallenen der Kriege überall in Kroatien eine würdige Ruhestätte zu geben.

Und so verneigen wir uns in dieser Stunde in Trauer vor den Toten der Kriege und den Opfern von Gewaltherrschaft und Terror. Wir nehmen ihr Leid als Mahnung, unsere Verantwortung für eine Zukunft in Frieden und Freiheit wahrzunehmen – ganz im Sinne dessen was die Präsidenten Macron und Steinmeier vor zwei Wochen gemeinsam am Hartmannsweilerkopf im Elsass zum Ausdruck gebracht haben.

Ich danke Ihnen für Ihr Kommen und lade Sie im Anschluss an das Gedenken in die Residenz ein.