Rede des Botschafters anlässlich des Empfangs zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2016 in Zagreb

Botschafter Thomas E. Schultze hielt anlässlich seines Empfangs zum Tag der Deutschen Einheit am 3.10.2016 im Technischen Museum Nikola Tesla, Zagreb, vor etwa 600 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Medien und Diplomatie eine Rede über die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Kroatien im europäischen Kontext.

(Anrede),

Sie fragen sich vielleicht, warum wir den 26. Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands hier im Technischen Museum feiern. Im vergangenen Jahr hatten wir mit dem Empfang in der Modernen Galerie mit der Ausstellung der beiden deutschen Künstler Käthe Kollwitz und Ernst Barlach einen kulturellen Schwerpunkt.

Wie Kunst bringen auch Technik und Wirtschaft die Menschen zusammen.

Deutschland und Kroatien sind auf das Vielfältigste miteinander verbunden. Fast 300.000 Kroaten leben in Deutschland, der kulturelle Austausch ist intensiv: Gerade erst war zum Beispiel die Schaubühne Berlin mit der beeindruckenden Inszenierung „Die Ehe der Maria Braun“ im HNK;

vor kurzem konnte ich die wunderbare Ausstellung der kroatisch-deutschen Künstlerin Anita Kontrec im Haus der HDLU eröffnen.

Unsere beiden Länder verbinden aber eben auch sehr enge wirtschaftliche Beziehungen; nicht zuletzt aufgrund der Vernetzung der deutsch-kroatischen Gemeinschaft in Deutschland und hier. Das Technische Museum steht symbolisch für diese Erfolgsgeschichte, weil es mit seinen Exponaten auch zeigt, dass unsere wirtschaftlichen Verbindungen eine lange Geschichte haben; manche deutsche Unternehmen sind seit über 100 Jahren hier präsent.

Eine gut funktionierende Wirtschaft, die attraktiv für Investoren ist, trägt entscheidend zu Wohlstand und Stabilität bei. Deutschland ist der stärkste Handelspartner Kroatiens, aus keinem Staat kommen mehr Touristen in dieses wunderschöne Land. Die deutsch-kroatische Industrie- und Handelskammer wächst stetig und hat die 400-Mitglieder-Marke fest im Blick. Ihre Mitgliedsunternehmen beschäftigen mehr als 80.000 Arbeitnehmer in Kroatien, das sind fast 10% der in der Privatwirtschaft tätigen Menschen.

Ich möchte an dieser Stelle die enge und gute Zusammenarbeit mit der kroatischen Wirtschaftskammer unter Leitung von Luka Burilović betonen und glaube, dass es in den vergangenen Monaten gemeinsam mit verschiedenen Partnern gelungen ist, wichtige Akzente im Hinblick auf noch bessere Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu setzen.

Junge Menschen brauchen Perspektiven und Chancen! Das ist unsere gemeinsame Aufgabe, und deshalb fördern wir auch die duale Berufsausbildung. Ich freue mich sehr, dass große deutsche Unternehmen zusammen mit der deutsch-kroatischen Handelskammer und unterstützt von der Botschaft hier zukunftsweisende Initiativen ergriffen haben.

Deutschland ist in diesem Jahr auch Partnerland der Bildungsmesse, die in der kommenden Woche in Zagreb und Rijeka eröffnet wird.

Meine Damen und Herren,

wir reden in diesen Tagen viel von Krisen, insbesondere in Bezug auf die Europäische Union. Dabei ist die EU alternativlos. Dies möchte ich gerade am Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung betonen, die einen Prozess ausgelöst hat, der letztlich auch dazu beigetragen hat, dass Kroatien EU-Mitglied werden konnte. Die EU hat den wirtschaftlichen Erfolg in Europa erst möglich gemacht, sie hilft Probleme zu überwinden – und, was nicht oft genug gesagt werden kann, sie hat uns Frieden gebracht.

Für die junge Generation heute ist die EU eine selbstverständliche Realität. Sie ist in unseren Ländern, aber eben auch in Europa zuhause. Reisen mit dem Zug – zum Beispiel per Interrail - ist so beliebt wie früher, nur schneller als die Dampfloks hier. Der Anschluss an die Datenautobahn ist meist gewährleistet, bald wohl auch ganz ohne Roaming-Gebühren.

Technik verbindet uns ebenso wie Kultur das vermag. Das sieht man sehr exemplarisch hier in diesem Museum – auch mit der aktuellen Ausstellung „Moleküle“ der kroatischen Forscherin Ljiljana Fruk in Zusammenarbeit mit dem deutschen Karlsruher Institut für Technologie, wo Frau Fruk sechs Jahre lang eine Forschungsgruppe leitete. 

Die Europäische Union ist aber vor allem auch eine Wertegemeinschaft, die für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Offenheit und Toleranz steht. In einer offenen und freien Gesellschaft gedeiht Innovation. So bleibt Europa dauerhaft wettbewerbsfähig und lebenswert für alle. Hierzu gehört aber auch, neue Herausforderungen anzunehmen und sich im globalen Wettbewerb regional und international zu vernetzen. Vor wenigen Tagen habe ich in Medulin bei der diesjährigen Alumni-Veranstaltung des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft junge ehemalige Stipendiaten des von Deutschland mitfinanzierten Praktikantenprogrammes aus sieben Ländern der Region getroffen. Sie nutzen ihre Erfahrungen aus den Praktika in Deutschland bei großen und kleinen Unternehmen, um zurück in Kroatien und anderen Ländern Entwicklungen voranzubringen. Diesen jungen Menschen gebührt Respekt. Ihnen gehört die Zukunft.

Es ist die Aufgabe von Wirtschaftspolitik sein, Rahmenbedingungen für Investitionen und Handel zu verbessern. Davon profitieren wir alle, wie auch Europa nur durch gemeinsame Anstrengungen aller Partner und Solidarität erfolgreich geworden ist. Keine andere Region der Welt hat einen solchen Wohlstand erreicht bei gleichzeitiger sozialer Absicherung, Achtung von Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit und der Perspektive eines Lebens in Frieden. Darauf sollten wir in Europa stolz sein und weiter gemeinsam dafür eintreten.

Auch wenn wir hier viele Exponate aus der Industrie 1.0 und 2.0 finden, reden wir heute über 4.0 – Europa ist hier im weltweiten Wettbewerb. Unser Kontinent war vor über 100 Jahren schon innovativ und bleibt es weiter. Die Menschen in Europa sind unabhängig von ihrer Herkunft ein enormes Potential, das wir entwickeln und nutzen müssen. Ein Beispiel für diese Innovativkraft war Nikola Tesla, nach dem dieses Museum benannt ist.

Die EU bleibt ein Garant für Frieden, Stabilität und Wohlstand. Der Blick nach vorne wird angesichts der Herausforderungen noch wichtiger. Deutschland und Kroatien können in Europa als Partner und Freunde gemeinsam einen Beitrag dazu leisten, dass die Europäische Union die Krisen überwindet und aus diesen gestärkt hervorgeht. In gut drei Jahren wird Kroatien erstmals die EU-Ratspräsidentschaft übernehmen und damit die EU führen. Deutschland wird Kroatien auch dabei, wie schon in der Vergangenheit, gerne unterstützen – als Freund und Partner. In diesem Sinne sollten wir diesen Abend jetzt gemeinsam unter Freunden feiern.

Herzlichen Dank! Hvala lijepa!

Bildergalerie