Grußwort von Botschafter Thomas E. Schultze nach dem Konzert „Gegen das Schweigen“ im Rahmen des Internationalen Zagreber Kammermusikfestivals, 16. Oktober 2015

(Anrede),

ich freue mich, dass Sie heute Abend gemeinsam mit uns diesen wunderbaren Konzertabend genießen konnten. Mein ganz besonderer Dank gilt den Musikern und Musikerinnen für ihre wirklich glanzvolle Darbietung.

Als wir gemeinsam mit den Organisatoren des Zagreber Kammermusikfestivals diesen Konzertabend mit den Werken von Komponisten, die unter der Nazi-Herrschaft in Deutschland und in den später von Deutschland besetzten Ländern verboten waren, planten, ahnten wir nicht wie hochaktuell das Thema jetzt sein würde. Um in freier Anlehnung an den Schriftsteller Kurt Tucholsky zu sprechen: Dort, wo man die Musik zum Schweigen bringt, bringt man auch bald die Menschen zum Schweigen. So wurden auch die damals geächteten Komponisten zu Flüchtlingen. Hans Krása, dem die Flucht nicht gelang, wurde in Auschwitz ermordet.

Vielleicht ist es ganz gut, wenn wir uns gerade jetzt daran erinnern, dass es eine Zeit gab, in der die Flüchtlingswelle von Europa ausging. Die Erfahrung, dass  viele Probleme hatten, in sicheren Ländern Schutz und Zuflucht zu finden, bildete den Ursprung der Genfer Flüchtlingskonvention, der wir heute alle verpflichtet sind. Die Europäische Union ist nicht nur eine Wirtschaftsgemeinschaft, sondern auch eine Gemeinschaft der Werte. Ein zentraler Wert ist die Würde des Menschen! Wer Flüchtlinge heute als Gefahr sieht, sieht nicht wovor viele von Ihnen geflohen sind, nämlich vor Barbarei – der völligen Missachtung der Menschenwürde. Heute wie auch damals.

Viele der seinerzeit entstandenen Werke gerieten für lange Zeit weitgehend in Vergessenheit. Seit einigen Jahren versucht man in Deutschland und Österreich, die Musik der damals geächteten Komponisten wieder einem breiten Publikum in Erinnerung zu bringen. Daher freue ich mich, dass wir die Organisatoren des Zagreber Kammermusikfestivals dabei unterstützen konnten, diese Werke nunmehr auch dem Publikum in Zagreb näher zu bringen .
Menschen kann man vielleicht zum Schweigen bringen, aber Musik, bildende Kunst und Literatur überdauern uns alle und bleiben bestehen. Und das ist gut so!

Liebe Gäste, ich danke Ihnen für Ihr Kommen!