Grußwort von Botschafter Thomas E. Schultze am 18. Mai 2017 anlässlich des 25. Jahrestags des Kroatischen Humboldt-Klubs

Grußwort von Botschafter Thomas E. Schultze anlässlich des 25. Jahrestags des Kroatischen Humboldt-Klubs am 18. Mai 2017

(Anrede),

ich freue mich, heute hier bei Ihnen sein zu dürfen. Als wir, lieber Minister Barišić, vor langer Zeit über das 25-jährige Jubiläum des Humboldt-Klubs sprachen, ahnten – so glaube ich – weder Sie noch ich, dass Sie heute als Minister dieser Veranstaltung beiwohnen würden. Aber wie sagte schon Alexander von Humboldt: „Der Mensch muss das Gute und Große wollen, das Übrige hängt vom Schicksal ab.“

Im Vorfeld haben wir – wie kann es anders sein bei einer Veranstaltung wie dieser – auch über die Wahl der Sprache diskutiert. Leider habe ich mit meinem Kroatisch noch keine allzu großen Fortschritte gemacht; Englisch – die Sprache Shakespeares und vor allem vieler junger Menschen in Deutschland und Kroatien wäre natürlich - wie meist – eine Option gewesen.

Aber: Auch wenn mir sehr bewusst ist, dass ausgesprochen viele Kroatinnen und Kroaten  Deutsch sprechen und lernen, ist es doch selten, dass ich vor einem so illustren Publikum wie Ihnen sprechen darf – und gleichzeitig davon ausgehen kann, dass alle in diesem Saal die Sprache Goethes verstehen.

Umso mehr freue ich mich und genieße es, mich in meiner Muttersprache an Sie wenden zu können, einer Sprache, die eng mit Ihren jeweiligen Werdegängen verbunden ist.

Deutsch ist nicht nur als Kommunikationsmittel z.B. im Tourismus stark, sondern wird auch als Sprache der Wissenschaft und Kultur von Ihnen allen genutzt. Dass ihr auch weiterhin in Kroatien Bedeutung beigemessen wird, dafür setzen sich das Goethe Institut und der DAAD ein – und auch Sie, meine Damen und Herren, sehe ich als Botschafter des Deutschen, einer bunten, modernen und lebendigen Sprache.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1953 fördert die Alexander-von-Humboldt-Stiftung Wissenschaftskooperationen zwischen exzellenten ausländischen und deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Forschern und Forscherinnen. Mit Forschungsstipendien, Preisen und einem großen Portfolio von Alumni-Förderangeboten ermöglicht die Stiftung internationalen Wissenschaftlern wie Ihnen, während ihrer gesamten Karriere langfristig Kontakte zu Deutschland aufzubauen und zu pflegen. Selbstverständlich unterstützt das Auswärtige Amt daher traditionell die Arbeit der Stiftung als Teil unserer Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik.

Das Humboldt-Netzwerk erstreckt sich heute auf über 140 Länder weltweit mit über 30.000 Menschen. Für Kroatien heißt das in Zahlen: In 6 Jahrzehnten hat die Humboldt-Stiftung hier insgesamt 206 Stipendien und Preise an Wissenschaftler und Forscher vergeben und wir können auf ein Netzwerk von  insgesamt über 200 Humboldtianern stolz sein. Leider können nicht alle heute hier sein – aber bitte grüßen Sie die Abwesenden herzlich von mir.

Deutschland und Kroatien sind sehr vielfältig miteinander verbunden. Dass der Kroatische Humboldt Klub etwa genauso alt ist wie die Unabhängigkeit Kroatiens zeigt einmal mehr diese Nähe unserer beider Länder, ihrer Menschen, ihrer Wissenschaftler. Umso schöner ist es,  dass wir heute – kurz nach dem 25. Jubiläum der Republik Kroatien – auch den 25. Jahrestag der Gründung des Humboldt-Klubs Kroatien feiern können. Ihnen allen herzlichen Glückwunsch zu diesem Geburtstag!

Die Internationalität des Humboldt-Netzwerkes scheint mir in dieser Form ziemlich einzigartig zu sein – sehr humboldtianisch - und Beleg dafür, dass Fortschritte in der Wissenschaft, aber auch in Kultur und Wirtschaft nur durch das Zusammenwirken weit über Ländergrenzen hinaus erzielt werden können.

Wenn wir, die wir heute hier versammelt sind, dagegen hören, wie populistische Bewegungen die Rückkehr zum Nationalen fordern, wieder mehr Grenzen errichten, Freihandel einschränken wollen, dann kann man glaube ich mit Fug und Recht sagen, dass diese Forderungen sicher nicht im Geiste Alexander von Humboldts wären. Ihm wird – historisch wohl nicht eindeutig belegt – folgende Aussage zugeschrieben: „Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.“ Und ich würde vielleicht hinzufügen „oder sie nicht verstanden haben.“

Ich zitiere weiter: „Öffentlichkeit und Bewahrung der Individualität der Menschen – es sind die Hauptstützen freier Verfassungen.“

Meine Damen und Herren, in Zeiten, in denen autoritäre Herrscher Grenzen missachten bzw. versuchen, der Wissenschaft, der Kultur, der Meinungsfreiheit neue Grenzen aufzuerlegen, gleichzeitig Menschenrechte zum Teil auf das Gröbste verletzen, scheint es mir geboten, dass wir in Europa andere Zeichen setzen: für eine offene, vernetzte Gesellschaft, die Bildung und Wissenschaft fördert, eine Gesellschaft, die es allen ermöglicht, sich durch Arbeit und Bildung zu entwickeln, wie dies für Humboldtianer selbstverständlich ist. Auch hier möchte ich erneut Humboldt bemühen: „Das Resultat der Erziehung hängt ganz und gar von der Kraft ab, mit der der Mensch sich auf Veranlassung oder durch Einfluss derselben selbst bearbeitet.“

Liebe Humboldtianer, lassen Sie mich noch einmal zurückkommen auf den konkreten Anlass heute: Als Botschafter Deutschlands kann ich Ihr  wissenschaftliches und vor allem auch persönliches Interesse an Deutschland gar nicht stark genug würdigen.

Einen Wunsch habe ich allerdings: Bitte geben Sie dieses Interesse und Ihre kulturellen und beruflichen Erfahrungen, die Sie während ihres Deutschlandaufenthalts gemacht haben,  an den akademischen Nachwuchs hier in Kroatien weiter. Seien Sie Ansprechpartner und Brücke für Forschung in Deutschland. Es ist an uns, gemeinsam die Neugier bei Studenten und Schülern zu wecken, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Denn nur durch eine starke und eng vernetzte europäische Forschungslandschaft und natürlich durch persönliche Kontakte über die Grenzen hinweg können die Herausforderungen der Zukunft bewältigt werden.

Hochkarätige Forschung findet heute oft in großen Forschungsverbünden und in internationalen Projektgruppen statt, gerade bei Projekten mit EU-Finanzierung. Hier ist Kroatien auch dank der Arbeit der Humboldtianer mit ihren internationalen Verbindungen auf dem nicht immer einfachen Weg, sich noch stärker zu internationalisieren und ein selbstverständliches Mitglied der europäischen Forschungsfamilie zu werden.

Dazu kommt es auch heute ganz wesentlich auf einzelne Forscherpersönlichkeiten, auf einzelne Wissenschaftler an. Da wo wissenschaftliche Entwicklungen und Innovation vorangetrieben werden, verdanken wir das der Kreativität und Neugier von Menschen wie Ihnen. Durch Ihre Arbeit wecken Sie den persönlichen Entdeckergeist und der Tatendrang von jungen Leuten an Universitäten, Forschungseinrichtungen und darüber hinaus. Damit  stärken Sie den kroatisch-deutschen Dialog in Wissenschaft und Forschung. Um mit Hegel zu sprechen: „Der Mensch ist, was er als Mensch sein soll, erst durch Bildung.“

Wir alle kennen die Diskussion in Kroatien, dass gerade gebildete und gut ausgebildete Kroatinnen und Kroaten bessere Perspektiven im europäischen Ausland sehen als in ihrer Heimat. Auch Deutschland ist erfreulicherweise eines der Länder, die immer wieder genannt werden, wenn es um Chancen geht. Diese Beobachtung ist an sich eine durchaus positive Entwicklung: Junge Menschen nehmen aktiv die Möglichkeiten wahr, die Europa ihnen bietet.

Woran mir aber sehr gelegen ist – und ich glaube, dass viele in diesem Raum das ähnlich empfinden: Diese Bewegung darf nicht einseitig sein oder gar zu Lasten Kroatiens gehen. Vielmehr müssen sich für gut qualifizierte junge Menschen wieder mehr Chancen in Kroatien bieten, um ihren Weg nach einer Aus- und Fortbildungsphase in Deutschland hier fortsetzen und so auch dieses wunderschöne Land voranbringen zu können. Die Erfahrung zeigt: Gerade durch Offenheit und internationale Mobilität wird Kroatien für aufstrebende Wissenschaftler attraktiver. Noch besser kann dies gelingen mit einer weiter verstärkten Einbindung der kroatischen Wissenschaft in die europäischen Forschungsverbünde.

Und ich bin überzeugt: Studieren und Forschen in Deutschland, wie überhaupt im Ausland, ist immer ein Gewinn – und gleichzeitig bleiben die Verbindungen in die kroatische Heimat erhalten, so dass beide Seiten davon profitieren.

Dafür sind Sie, liebe Humboldtianer und besonders herausragend natürlich Sie, Herr Minister Barišić, mit ihren langjährigen Forschungsjahren in Deutschland, das beste, motivierendste und lebendigste Beispiel. Mögen noch viele weitere junge Humboldtianer und andere kroatische Wissenschaftler diesem Beispiel folgen!

Nicht nur in Kroatien, sondern auch in anderen Teilen Europas und darüber hinaus haben wir es leider immer wieder mit Krisen zu tun, Krisen, die letztlich uns alle angehen und uns alle fordern.

Ich bin fest davon überzeugt, dass Netzwerke wie das der Humboldtianer und anderer Alumni-Vereinigungen dazu beitragen können, durch ihre internationalen Kontakte Weichen zu stellen für eine Welt, die jungen Menschen Bildung ermöglicht, Nachhaltigkeit fördert und die Herausforderungen der Zukunft bewältigen kann. Es reicht eben nicht, nur zu klagen, wie es vielen Menschen nur allzu oft eigen ist, sondern man muss daran arbeiten, den Klagen abzuhelfen – übrigens sinngemäß auch von Humboldt. Hier tragen wir alle im diesem Raum eine besondere Verantwortung. Tun Sie daher alles dafür, dass auch in 25 Jahren die Humboldtianer aktiv sind und ihren Beitrag zu internationaler Verständigung leisten.

In diesem Sinne gratuliere ich Ihnen nicht nur, sondern danke Ihnen ganz herzlich und wünsche dem Humboldt-Klub Kroatien viele weitere erfolgreiche Jahre als Partner und „Botschafter“ Deutschlands!

Vielen Dank!