Deutschland setzt auf eine enge Zusammenarbeit mit Kroatien

Interview mit Botschafter Thomas E. Schultze im Magazin der deutsch-Kroatischen Industrie- und Handelskammer aktuell  Nr. 57 (Herbst 2015)

Herr Botschafter, Sie sind seit Sommer diesen Jahres Botschafter in Kroatien. Wie sind Ihre ersten Erfahrungen und Eindrücke?

- Kroatien ist ein sehr schönes Land, das seit seiner Unabhängigkeit schon viel erreicht hat; ich möchte beispielhaft hierfür die EU-Mitgliedschaft  nennen. Dies zeigt das große Potential Kroatiens. Ich habe in den letzten Wochen viele Menschen getroffen und zahlreiche Gespräche mit eindrucksvollen Persönlichkeiten führen dürfen. Mich hat die große Offenheit
in allen diesen Begegnungen sehr beeindruckt. Natürlich freue ich mich auch darüber, dass das Interesse an Deutschland sehr ausgeprägt ist und es viele Verbindungen, oft auch sehr persönlicher Art, in mein Land gibt. Ganz besonders berührt hat mich das Engagement vieler Bürger dieses Landes für die Flüchtlinge, die in den letzten Wochen durch Kroatien gereist sind. Hier gibt es viele Parallelen zu den Menschen, die in Deutschland ehrenamtlich bei der Betreuung und Versorgung der Flüchtlinge helfen.

Gibt es konkrete Maßnahmen, die Sie Ihrer Amtszeit umsetzen bzw. Schwerpunkte die Sie in Ihrer Amtszeit setzen möchten?

- Ich werde mich in meiner Zeit hier in Kroatien mit aller Kraft dafür einsetzen, das Potential der deutsch-kroatischen Beziehungen auf allen Ebenen zu fördern. Besonders wichtig erscheint mir die weitere Intensivierung unser Wirtschaftsbeziehungen. Dass die Ausfuhr nach Deutschland in den ersten sechs Monaten des Jahres mit einem Plus von fast 10% deutlich gestiegen ist, ist ein gutes Zeichen. Das Interesse in Deutschland an Kroatien ist hoch, nicht nur im touristischen Bereich, sondern weit darüber hinaus. Durch gemeinsame Anstrengungen aller Beteiligten, auf kroatischer wie auf deutscher Seite, besteht nach meinen ersten Eindrücken durchaus Potential, die schon sehr gute Zusammenarbeit weiter auszubauen. Mir scheint es insbesondere wichtig zu sein, Investitionen, die Arbeitsplätze in Kroatien sichern oder schaffen, hohe Priorität einzuräumen. Unmittelbar damit im Zusammenhang steht auch die Kooperation im Bildungsbereich, vor allem auch in Bezug auf duale Berufsausbildung. Ich freue mich, dass Deutschland im Jahr 2016 Partnerland der Bildungsmesse sein wird. Außerdem wird die Botschaft aktiv die Arbeit der Stiftung Wissen am Werk begleiten und sich für weitere Projekte der Bildungszusammenarbeit einsetzen.

Die Beziehungen zwischen der Republik Kroatien und der Bundesrepublik Deutschland sind traditionell sehr gut. Planen Sie die Zusammenarbeit in gewissen politischen Feldern zu intensivieren und wenn ja, welche genau?

- Es liegt auf der Hand, dass Kroatien als Mitglied in der Europäischen Union für uns ein wichtiges Partnerland in der Region ist. Deutschland ist in Südosteuropa sehr engagiert und setzt auf enge Zusammenarbeit mit Kroatien, wie etwa in dem sogenannten Berlin-Prozess.

Die Zusammenarbeit unser beider Länder im Rahmen der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union ist bereits auf einem erfreulich hohen Niveau; ich denke gleichwohl, dass sie in diesem Bereich ebenso wie in der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik noch weiter ausgebaut werden kann.

Wichtig erscheint mir allerdings gerade in unmittelbarer Zukunft vor allem eine enge Kooperation in der Flüchtlingsfrage. Kroatien hat mit großem Engagement viele Tausende von Flüchtlingen betreut; die meisten dieser Menschen sind weiter nach Deutschland gereist. Es geht jetzt darum, in der Europäischen Union eine gerechte Lösung zur Aufnahme der Flüchtlinge zu erreichen. Kroatien hat in Brüssel die entsprechenden Beschlüsse unterstützt und damit  europäische Solidarität gezeigt.

Die AHK Kroatien und Deutsche Botschaft Zagreb pflegen seit jeher eine sehr gute Zusammenarbeit. In welchen Projekten könnte man ihrer Meinung nach noch enger zusammenarbeiten und wo sehen Sie noch Potentiale?

- Ich bin sehr beeindruckt von der aktiven Rolle der AHK Kroatien. Sie genießt einen sehr guten Ruf bei unseren Gesprächspartnern. Einer engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit der AHK und der Botschaft messe ich größte Bedeutung bei. Ein weiterer Ausbau der deutsch-kroatischen Wirtschaftsbeziehungen ist ohne enges Zusammenspiel von Kammer und Botschaft kaum vorstellbar. Ich begrüße ganz besonders das Engagement der AHK im Bereich der dualen Ausbildung, das ich für außerordentlich gut und wichtig halte. Gerade auch im Hinblick auf die Bildungszusammenarbeit zwischen Kroatien und Deutschland sehe ich eine hervorragende Möglichkeit die Zusammenarbeit zwischen Kammer und Botschaft noch weiter zu intensivieren. Förderung und Qualifizierung junger Menschen hilft der Wirtschaft, fördert aber auch die Attraktivität als Investitionsstandort. Gemeinsam können AHK, Botschaft und unsere kroatischen Partner das Potential der deutsch-kroatischen Wirtschaftsbeziehungen weiter ausbauen. Dafür werde ich mich einsetzen.